Veranstaltungsprogramm: Klaus R. zum Gedenken – 32 Jahre danach

»Klaus R. zum Gedenken – 32 Jahre danach«

25. bis 31. Mai 2026 // translib, communistisches Labor Leipzig in Kooperation mit »Rassismus tötet!« – Leipzig // Lützner Straße 30, Leipzig Lindenau

In der Nacht vom 27. auf den 28. Mai 1994 wurde Klaus R. in der von ihm genutzten Wohnung in der Lützner Straße im Leipziger Westen zu Tode geprügelt. Die vier Täter, die im gleichen Haus wohnten und zwischen 15 und 19 Jahren alt waren, hatten Klaus R. zuvor über mehrere Tage hin gequält und erniedrigt. Das nachfolgende Gerichtsverfahren am Leipziger Landgericht im Jahr 1995 führte zwar zu einer Verurteilung der jugendlichen Täter wegen versuchten Totschlags und schwerer Körperverletzung – die Bedeutung der sozialdarwinistischen Motive bei dem verübten Mord wurde jedoch nicht berücksichtigt. Damit steht eine offizielle Anerkennung von Klaus R. als Todesopfer rechter Gewalt bis heute aus. Er wurde 43 Jahre alt.

Der Mord an Klaus R. war kein Einzelfall. Seit der Wende sind in Deutschland mindestens 224 Menschen Opfer rechter Tötungsdelikte geworden, davon neben Klaus R. allein zehn weitere Personen in Leipzig. Der überwiegende Teil dieser Taten wird dabei nicht als rechtsmotiviert anerkannt. Ist an dem Pogrom von Hoyerswerda, dem Brandanschlag in Solingen, schließlich an der Mordserie des NSU längst ersichtlich geworden, dass vonseiten der deutschen Bundesbehörden weder eine entschiedene Intervention in das Gewaltgeschehen noch nachdrückliche Aufklärung über sein Zustandekommen erwartet werden kann. Auch Nachbar*innen und Umstehende griffen in tödliche rechte Gewalttaten in der Regel nicht ein, um Betroffenen zu helfen. Dies gilt auch für die bislang dokumentierten Fälle in Leipzig: Horst K. wurde am helllichten Tag im Dezember 1995 in einer Straßenbahn angezündet; Bernd G. schrie, hörbar für die Anwohner*innen in Wahren, um Hilfe, als er im Mai 1996 auf offener Straße zu Tode gequält wurde; Karl-Heinz T. erlag im August 2008 seinen Verletzungen, nachdem er am Schwanenteich hinter der Leipziger Oper mehrfach verprügelt worden war und die durch eine Passantin unmittelbar informierte Polizei sich offenbar über mehrere Stunden nicht durchringen konnte, zu intervenieren. Der Leichnam von Klaus R. wiederum wurde erst Tage später in seiner Wohnung in der Lützner Straße gefunden. Ob die Nachbar*innenschaft seine mutmaßlichen Schreie nicht hörte, bleibt fraglich.

Taten wie diese werfen für uns viele Fragen auf. Unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen entfalten Ideologien wie Rassismus, Antisemitismus, Sozialdarwinismus oder Homosexuellenfeindlichkeit immer wieder eine solche Wirkkraft, dass sie gewalttätig und sogar mörderisch werden? Und wen trifft letztendlich diese Gewalt: Wer waren die Opfer und wie ist ein ihnen angemessenes Gedenken möglich, auch wenn wir wenig über sie als Personen wissen?

Am 28. Mai 2026 jährt sich der Mord an Klaus R. zum 32. Mal. Wir nehmen dies zum Anlass, um uns mit diesen Fragen auseinanderzusetzen und seiner zu gedenken. Dafür haben wir in Kooperation mit »Rassismus tötet!« – Leipzig ein Veranstaltungsprogramm erarbeitet, das in der Woche vom 25. bis 31. Mai in den Räumen der translib stattfindet. Herzstück des Programms ist die vom Initiativkreis Antirassismus erarbeitete Ausstellung »Die Verschwiegenen Toten – Todesopfer rechter Gewalt seit 1990 in Leipzig«, die in dieser Woche täglich besichtigt werden kann (ausführliche Ankündigung hier). Zur Eröffnung der Ausstellung am 25. Mai laden wir den Initiativkreis ein, auf einem Podium mit uns über ihre Recherchen und die dokumentierten Todesfälle zu sprechen (ausführliche Ankündigung hier). Am 28. Mai möchten wir im Rahmen einer gemeinsamen Gedenkveranstaltung an Klaus R. erinnern und eine Plakette einweihen, die wir ihm zum Gedenken an unserer Hausfassade in der Lützner Straße 30 – der Straße, in der er vormals wohnte – angebracht haben (ausführliche Ankündigung hier). Den Abschluss unseres Veranstaltungsprogramms bildet am Sonntag, den 31. Mai, ein Vortrag der Soziologin Saskia Gränitz über den »Sozialdarwinismus der Straße«, in dem sie sich mit der Sozialpsychologie rechter Gewalt seit 1990 in Ostdeutschland auseinandersetzt (ausführliche Ankündigung hier).

Das Programm im Überblick

Ort: translib, Lützner Straße 30, Leipzig – Lindenau

Montag, 25. Mai

14:00 bis 18:30 Uhr: Ausstellung »Die Verschwiegenen Toten«

18:30: Auftaktveranstaltung – Podium mit dem Initiativkreis Antirassismus

Dienstag, 26. Mai

16:00 bis 19:00 Uhr: Ausstellung »Die Verschwiegenen Toten«

Mittwoch, 27. Mai

16:00 bis 19:00 Uhr: Ausstellung »Die Verschwiegenen Toten«

Donnerstag, 28. Mai

16:00 bis 19:00 Uhr: Ausstellung »Die Verschwiegenen Toten«

19:00 Uhr: Gedenkveranstaltung für Klaus R. – 32 Jahre danach

Samstag, 30. Mai

12:00 bis 18:00 Uhr: Ausstellung »Die Verschwiegenen Toten«

Sonntag, 31. Mai

12:00 bis 18:00 Uhr: Ausstellung »Die Verschwiegenen Toten«

18:00 Uhr: Abschlussvortrag – Saskia Gränitz: Der Sozialdarwinismus der Straße. Zur Sozialpsychologie rechter Gewalt seit 1990 in Ostdeutschland